Neonazis marschieren bei der städtischen Gedenkfeier zum Volkstrauertag am 13.11.2016 in Passau auf und legen Kranz nieder

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Während die offizielle Trauerfeier in der Kirche St. Severin (Innstadtfriedhof) bereits begonnen hatte, stellten sich die Neonazis vom Dritten Weg und ihr Gesinnungsgenosse Martin Gabling (Kreisvorsitzender NPD Passau) in Formation auf um – fotogerecht – mit einem Kranz auf den Friedhof zu ziehen. Unter den Blicken der örtlichen Polizei wanderte die Truppe, bestehend aus 13 Neonaziaktivist*innen (sowie zwei Kinder) und ihr „Stützpunktleiter“ Walter Stohmeier, zur Gedenkstätte, an der die offizielle Trauerfeier später mit einer Gedenkminute beendet werden sollte.

Dort formatierten sich die Nazis wiederum und nahmen Schulter an Schulter mit allen anderen Trauerfeierbesucher*innen an den Feierlichkeiten teil. Lediglich der mitgebrachte Kranz der faschistischen Partei durfte während der Zeremonie selber nicht gehalten werden. Der Passauer Oberbürgermeister Jürgen Dupper, der nach eigenen Angaben rechtlich keine Verfügungsmacht hatte die Nazis des Platzes zu verweisen, bedankte sich bei allen Anwesenden und mit Blick auf die Nazis, dafür, dass alle zusammengekommen seien um der Opfer des Nationalsozialismus zu gedenken.

Nach dem Ende der Feierlichkeiten und nachdem die restlichen Besucher*innen den Ort verlassen hatten, posierte die extrem rechte Partei noch eine Zeit lang vor der Denkmalstätte mit ihrem Kranz, legte diesen nieder, und schoss einige Gruppenfotos. Die Polizei war mit 4 bzw. 6 Streifenpolizist*innen vertreten und griff nicht weiter ein. Bei einer späteren Personenkontrolle nahmen sie die Personalien einiger der Neonazis auf, liessen diese ansonsten jedoch unbehelligt. Die anwesenden Beamten vom Staatsschutz hielten sich ebenfalls bedeckt.

Anschließend machten sich die Parteimitglieder auf den Weg in die Stadt und kehrten im Bayerischen Löwen ein, der die Neonazis jedoch nach Intervention einiger Antifaschist*innen strikt des Hauses verwies und somit ein großartiges Beispiel an Zivilcourage bewies.

Zu diesem Zeitpunkt hatten sich die Polizeistreifen längst verabschiedet und so gelang es den gewaltbereiten Faschisten in der Fussgängerzone ihrem Frust durch Übergriffe auf Passant*innen, ihre politischen Gegner*innen und Vertreter*innen der Presse Luft zu machen. [Danke liebe Passauer Polizei, für gar nichts, außer konsequentes Verhindern antifaschistischer Arbeit durch Platzverweise].

Offensichtlich aufgebracht über den nicht reibungsfreien Ablauf des Tages, machten sich die Aktivist*innen des Dritten Weges auf den Weg zu ihren Autos und verließen die Innenstadt. Ihren eigenen Angaben nach, besuchten sie anschließend das Grab des verstorbenen Altnazis Friedhelm Busse in Patriching und das Grab des im Jahr 2015 verunglückten Lutz Ö. in Grubweg.

 

Nachtrag: Auf unseren Bildern ist die Kranzniederlegung an sich nicht zu sehen. Hierzu ein Screenshot der Facebook-Seite des Dritten Wegs: 

Screenshot: Facebook-Post zur Kranzniederlegung des Dritten Wegs